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Das Beetgespräch

„Wer hier arbeitet und lebt, soll es schön haben.“ Das sagt Andreas Luther, Vorstand des Vereins Autismus, während er mit Hacke, Korb und Harke das vordere Beet rund um die alte Villa in Giesen von den Wildkräutern befreit. Gleiches tun rund 30 Eltern, Mitarbeiter und Freunde auf dem rund 5500 Quadratmeter großen Grundstück am Ortsrand von Giesen.

Die Beete vom Unkraut befreien und die meterhohen Brombeerhecken deutlich stutzen, das sind an diesem Sonntagvormittag die zentralen Aufträge. Jeder schafft, was er kann, mit oder ohne Gartenerfahrung. „Die Eltern haben das Gefühl, etwas für den Ort zu tun, wo ihre Kinder  leben“,  sagt Andreas Luther. Vor mehr als eineinhalb Jahrzehnten hat der Verein diese Gartenaktionstage initiiert und seit zwei Jahren finanziert er eine Gartenhilfe. Dennoch: Die Aktionstage sind nach wie vor wichtig – und das nicht nur für den Zusammenhalt der Eltern.

Seit 2000 gibt es die Wohngruppe für Kinder und Jugendliche mit Autismus in Giesen. Zweimal im Jahr packen Eltern, Freunde und Mitarbeiter mit an und machen das Grün rund um die Villa frühjahrsfit und winterfest. Ilona Marx-Carl, Erzieherin und Gartenbeauftragte, organisiert die Aktion rund um den Garten. Für die Eltern der jungen Bewohner ist dieser Tag eine besondere Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen mit Gleichgesinnten. Der gemeinsame Nenner ist das Kind mit Autismus, das hier sein Zuhause gefunden hat. Das verbindet. „Man kommt leicht miteinander ins Gespräch, erhält auch wertvolle Tipps, zum Beispiel welcher Zahnarzt hat besonders viel Geduld mit Menschen mit Autismus“, sagt Petra Böhne-Beismann, Mutter eines Jungen mit Autismus, die Vorzüge dieser Beettage.

Für die Eltern ist der jährliche Gartentag auch ein wohltuender Moment, weil sie wissen, sie treffen an diesem Tag auf Menschen, die sich in ähnlicher Lage befinden. Jeder weiß um die Schwierigkeiten des anderen. „Das Leben mit einem autistischen Kind ist nicht vergleichbar mit dem eines normalen Kindes. Wir haben keinen Teenager zu Hause, aus dem ein selbstständiger Erwachsener wird. Zeit unseres Lebens bleiben unsere Kinder wie kleine Kinder“, erklärt Petra Böhne-Beismann. Das bedeutet Verantwortung und weckt den Wunsch nach mehr Verständnis in der Öffentlichkeit.  Daran mangelt es größtenteils  aus Unwissenheit.

Inzwischen ist sie wie viele andere Eltern auch froh, wenn jemand überhaupt weiß, was Autismus ist. Für viele Eltern sei es ein Problem, dass sie in der Öffentlichkeit nicht selten schief angesehen würden und ihr Kind als schlecht erzogen gelte, weil es laut sei, erklärt die Mutter des Jungen, der in der Wohngruppe sein zusätzliches Zuhause gefunden hat.

In den Köpfen der meisten Menschen spukt nach Ansicht von Petra Böhne-Beismann immer noch überwiegend das Bild von „Rain Man“. Trifft sie auf fremde Menschen, die feststellen, dass ihr Sohn Autist ist, dann ist oft die erste Frage: „Was kann er denn Besonderes?“ – „Schlingeln“, antworte ich dann.